| DIE ZEIT 20.10.2005 Nr.43 |
Ein großes Kunststück Das Leben nach der Akademie – drei Künstler erzählen von ihrer Ankunft in der Wirklichkeit Von Andrea Benda Ebbe Burg, 29, Installationskünstler, studierte an der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn Bildhauerei mit dem Schwerpunkt freie Kunst Einerseits, sagt Ebbe Burg, könne er sich über sein Dasein als freier Künstler nicht beklagen. »Andererseits muss ich wahnsinnig reinbuttern und bekomme nur wenig zurück.« Natürlich wusste der 29-Jährige schon während des Studiums, dass es nicht einfach sein würde, sich auf dem freien Markt zu behaupten. Ein wenig leichter hat er sich sein Arbeitsleben trotzdem vorgestellt. Dabei kann der Installationskünstler mittlerweile auf etwa 20 Ausstellungen zurückblicken. Leider werden diese oftmals nicht honoriert – zumindest nicht finanziell: »Man darf glücklich sein, überhaupt ausgestellt zu werden.« Um seinen Lebensunterhalt und die Miete für sein Atelier bestreiten zu können, arbeitete der gelernte Steinmetz lange Zeit auf dem Bau. Mittlerweile gibt er Bildhauerkurse und freut sich über die Chance, in einem Metier Geld verdienen zu können, in dem er seinen künstlerischen Blick weiter schärfen kann. Ein weiterer Schritt zum Vollzeitkünstler, denn an seiner Berufswahl hat er trotz aller Schwierigkeiten nie gezweifelt. Kunst und Knete wechseln sich bei Ebbe Burg in regelmäßigem Rhythmus ab: Einige Wochen verdient er Geld, einige Wochen arbeitet er von morgens bis abends an seiner Kunst. Der Druck, auf Abruf kreativ zu sein, wirkt sich bei ihm eher positiv aus: »Wenn ich ins Atelier gehe, strenge ich mich an, auch wirklich etwas zustande zu kriegen.« Frustrierend findet es Burg dagegen, dass er die Hälfte seiner knapp bemessenen Zeit für die notwendige Eigenvermarktung ausgeben muss. Viel Energie geht dabei in die Akquise neuer Interessenten, denn direkte Anfragen erreichen ihn noch viel zu selten. »Ein Künstler, der nur im stillen Kämmerlein große Kunst macht, muss verdammtes Glück haben, wenn er erfolgreich sein will.« Burg nimmt vor allem an Wettbewerben teil, um sich einen Namen zu machen. Seine aufwändigen Rauminstallationen beanspruchen viel Platz und sind deshalb für den privaten Sammlermarkt meist nicht interessant. »Als Maler hätte ich es da leichter«, sagt Burg. Trotzdem möchte er auch in Zukunft seinen eigenen Ausdruck verfolgen und sich nicht verbiegen lassen, nur um kommerziell erfolgreich zu sein. »Auch wenn das bedeuten sollte, dass ich nie ausschließlich von meiner Kunst leben kann.« | Seitenanfang | zurück zu Presse | |