Funken sprühen zwischen Polen einer Autobatterie
Erdmuth Burg zeigt im Kunsthaus Gerwert ein breites Spektrum seines Schaffens: Von der Fotografie bis zur Installation
IDAR-OBERSTEIN. Eine Reihe halbierter Tennisbälle wirkt wie eine Fußmatte am Eingang zum obersten Stockwerk. Wer seinen Fuß dorthin setzt, wird zunächst einmal zögern. Und dann seine anfänglichen Hemmungen überwinden, über die wacklige Unterlage in die Ausstellungsräume gehen, Unsicherheit überwinden. So jedenfalls stellt sich Künstler Erdmuth Burg die Wirkung der Installation vor, die er am Eingang zu seiner Ausstellung im Kunsthaus Gerwert platziert hat.
Der Kölner zeigt bis zum 29. Juli in der Gründerzeitvilla von Angelika Gerwert und Christian Süßmann im Stadtteil Idar Arbeiten aus unterschiedlichen künstlerischen Bereichen – Fotografie, Installation, Skulptur und Zeichnung.
Scharfe Kontraste
Da sind seine Fotografien: eine aufgeschnittene Blutorange vermittelt einen bemerkenswerten Kontrast zum eintönigen grünlich-grauen Sandstein, in den das Obststück gebettet ist. Burg stellt Objekte in ihre Umwelt, lässt Farben wirken- zum Beispiel einer Glühbirne im schroffen Felsrelief.
Da sind die Zeichnungen: Aktskizzen, Porträts der Depression. Verlorene blickende Augen, herabhängende Mundwinkel. Der trostlose Ausdruck im Gesicht einer Frau weckt Emotion.
Da sind die Skulpturen: Der gelernte Steinmetz, seit vergangenen Jahr Kunststudent, bevorzugt das Arbeiten mit Alabaster. Seine Ausgestellten Werke zeigen die angedeuteten Formen eines Tänzers oder verspielte, durchstochene, an Höhlenformen erinnernde Arbeiten ohne Titel. Die Interpretation ist dem Betrachter vorbehalten. Und da sind die Installationen: Zwischen den Drähten einer Autobatterie sprühen Funken – Symbol für zwischenmenschliche Spannungen.
Aus einem Eimer voll Salzwasser führt ein Strick an die Decke, kristallisiertes Salz färbt den Strang stellenweise weiß – chemische Vorgänge werden begreifbar. Ein Pfahl, dessen Spitze mit Margarine eingerieben ist, auf der erst auf den zweiten Blick ein Männchen zu sehen ist – "Beuys-Schüler" hat Burg das Werk genannt, mit dem er die Zahllosen selbsternannten Beuys-Eleven vor Selbstüberschätzung warnen will.
Die Ausstellung von Burg ist die zweite in diesem Jahr im Kunsthaus Gerwert, eine dritte soll folgen. Sieben waren es im vorigen Jahr – zuviel, meint Christian Süßmann. Aber das Gespann Süßmann/Gerwert will auch in Zukunft ein Forum für junge Menschen bieten. Denn neue künstlerische Ideen können der Region nicht schaden. (da)
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