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Im Freiluftatelier rattern die Betonmischer
Ostfildern: Künstlerwettbewerb auf der Landesgartenschau – Prämierung am 2. Juni – Dem Sieger winkt ein Preisgeld von 2000 Euro
Von Britta Slusar
Eine Kartoffel bracht ihn auf die Idee. Er höhlte sie aus, bis er nur noch die Schale in der Hand hatte. Die Idee für den "Findling" war geboren. Jetzt brauchte Ebbe Burg nur noch die Möglichkeit, das Konzept umzusetzen.
Der angehende Bildhauer ist einer von insgesamt 15 Künstlern, die auf der Landesgartenschau an dem internationalen Skulpturenwettbewerb "Artist at Work" teilnehmen. Ebbe Burgs "Findling" wird ein rundes Gebilde von einem Meter Durchmesser. "Wenn sich der Betrachter von der einen Seite nähert, sieht er die Masse. Geht er um das Kunstwerk herum, sieht er, dass er innen hohl ist erklärt Burg, "Es steckt mehr dahinter, als auf den ersten Blick erkennbar ist.". In einer Verschalung steckt die äußere Negativform aus Gips, darin befindet sich eine große Kugel aus Styropor, die Burg mit der Kettensäge bearbeitet hat. Der Hohlraum zwischen Schale und Gips wird mit Beton ausgegossen. Der gelernte Steinmetz arbeitete bereits in der Bauhütte der Esslinger Frauenkirche mit und sieht es als Chance, ein so großes Objekt zu gestalten.
Kurzbiographie von Ebbe Burg (Erdmuth Jo Burg)
1975 > Geboren in Reutlingen
1995-96 > Mitarbeit in der Videoabteilung des Stuttgarter Staatstheaters
1996-00 > Steinmetzlehre, an der Bauhütte der Frauenkirche zu Esslingen
> Gesellenbrief, mit Auszeichnung
> Steinmetz Tätigkeit (Restauration) im Saarland und Italien
2000-04 > Freies Kunststudium an der Alanus Hochschule
2004 > Diplom (als staatlich anerkannter Bildhauer)
> freischaffend Tätig
2005 > Kursleiter für Bildhauerei
Künstlerische Vita (Auswahl):
2000 > "Blickfeld" / regelmäßige Ausstellungen an der AH / Köln - Bonn
> "Leonardo da Vinci" - Stipendium der HWK Stuttgart
> "Progetto LdV" / Galleria di Volterra, Italien
2001 > Galerie Kunsthaus Gerwert / Idar - Oberstein (Einzelausstellung)
2002 > "Artist at Work" / Landesgartenschau Ostfildern (Katalog)
> "Pleasureground" / Landesgartenschau Mönchengladbach (Katalog)
2003 > "Ensemblia" / Mönchengladbach (CD-Rom)
> "Herkenart" / Bergisch Gladbach (Katalog)
> "Löwenhof Förderpreis" / Frankfurt, Main (Katalog)
> "Language of Colours" / Exkursion des DAAD / Sudan, Afrika
> "LoC", Sudan University of Fine Art, Khartoum / Sudan, Afrika
2004 > "erledigt" / Köln (Katalog)
2005 > "Bildhauerhalle" / Bonn
> "VolksBänke" / Detmold (Vorentscheid)
> "Beueler Kul-Tour" / Tapetenfabrik Bonn
2006 > "GlücksWünsche" / Künstlerforum Bonn (Gast bei der Künstlergruppe "ConeXus")
> "Must Haves" / Galerie GreteDUR, Köln
DIE ZEIT 20.10.2005 Nr.43
Ein großes Kunststück
Das Leben nach der Akademie – drei Künstler erzählen von ihrer Ankunft in der Wirklichkeit
Von Andrea Benda
Ebbe Burg, 29, Installationskünstler, studierte an der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn Bildhauerei mit dem Schwerpunkt freie Kunst
Einerseits, sagt Ebbe Burg, könne er sich über sein Dasein als freier Künstler nicht beklagen. »Andererseits muss ich wahnsinnig reinbuttern und bekomme nur wenig zurück.« Natürlich wusste der 29-Jährige schon während des Studiums, dass es nicht einfach sein würde, sich auf dem freien Markt zu behaupten. Ein wenig leichter hat er sich sein Arbeitsleben trotzdem vorgestellt. Dabei kann der Installationskünstler mittlerweile auf etwa 20 Ausstellungen zurückblicken. Leider werden diese oftmals nicht honoriert – zumindest nicht finanziell: »Man darf glücklich sein, überhaupt ausgestellt zu werden.« Um seinen Lebensunterhalt und die Miete für sein Atelier bestreiten zu können, arbeitete der gelernte Steinmetz lange Zeit auf dem Bau. Mittlerweile gibt er Bildhauerkurse und freut sich über die Chance, in einem Metier Geld verdienen zu können, in dem er seinen künstlerischen Blick weiter schärfen kann. Ein weiterer Schritt zum Vollzeitkünstler, denn an seiner Berufswahl hat er trotz aller Schwierigkeiten nie gezweifelt. Kunst und Knete wechseln sich bei Ebbe Burg in regelmäßigem Rhythmus ab: Einige Wochen verdient er Geld, einige Wochen arbeitet er von morgens bis abends an seiner Kunst. Der Druck, auf Abruf kreativ zu sein, wirkt sich bei ihm eher positiv aus: »Wenn ich ins Atelier gehe, strenge ich mich an, auch wirklich etwas zustande zu kriegen.« Frustrierend findet es Burg dagegen, dass er die Hälfte seiner knapp bemessenen Zeit für die notwendige Eigenvermarktung ausgeben muss. Viel Energie geht dabei in die Akquise neuer Interessenten, denn direkte Anfragen erreichen ihn noch viel zu selten. »Ein Künstler, der nur im stillen Kämmerlein große Kunst macht, muss verdammtes Glück haben, wenn er erfolgreich sein will.« Burg nimmt vor allem an Wettbewerben teil, um sich einen Namen zu machen. Seine aufwändigen Rauminstallationen beanspruchen viel Platz und sind deshalb für den privaten Sammlermarkt meist nicht interessant. »Als Maler hätte ich es da leichter«, sagt Burg. Trotzdem möchte er auch in Zukunft seinen eigenen Ausdruck verfolgen und sich nicht verbiegen lassen, nur um kommerziell erfolgreich zu sein. »Auch wenn das bedeuten sollte, dass ich nie ausschließlich von meiner Kunst leben kann.«
Funken sprühen zwischen Polen einer Autobatterie
Erdmuth Burg zeigt im Kunsthaus Gerwert ein breites Spektrum seines Schaffens: Von der Fotografie bis zur Installation
IDAR-OBERSTEIN. Eine Reihe halbierter Tennisbälle wirkt wie eine Fußmatte am Eingang zum obersten Stockwerk. Wer seinen Fuß dorthin setzt, wird zunächst einmal zögern. Und dann seine anfänglichen Hemmungen überwinden, über die wacklige Unterlage in die Ausstellungsräume gehen, Unsicherheit überwinden. So jedenfalls stellt sich Künstler Erdmuth Burg die Wirkung der Installation vor, die er am Eingang zu seiner Ausstellung im Kunsthaus Gerwert platziert hat.
Der Kölner zeigt bis zum 29. Juli in der Gründerzeitvilla von Angelika Gerwert und Christian Süßmann im Stadtteil Idar Arbeiten aus unterschiedlichen künstlerischen Bereichen – Fotografie, Installation, Skulptur und Zeichnung.
Scharfe Kontraste
Da sind seine Fotografien: eine aufgeschnittene Blutorange vermittelt einen bemerkenswerten Kontrast zum eintönigen grünlich-grauen Sandstein, in den das Obststück gebettet ist. Burg stellt Objekte in ihre Umwelt, lässt Farben wirken- zum Beispiel einer Glühbirne im schroffen Felsrelief.
Da sind die Zeichnungen: Aktskizzen, Porträts der Depression. Verlorene blickende Augen, herabhängende Mundwinkel. Der trostlose Ausdruck im Gesicht einer Frau weckt Emotion.
Da sind die Skulpturen: Der gelernte Steinmetz, seit vergangenen Jahr Kunststudent, bevorzugt das Arbeiten mit Alabaster. Seine Ausgestellten Werke zeigen die angedeuteten Formen eines Tänzers oder verspielte, durchstochene, an Höhlenformen erinnernde Arbeiten ohne Titel. Die Interpretation ist dem Betrachter vorbehalten. Und da sind die Installationen: Zwischen den Drähten einer Autobatterie sprühen Funken – Symbol für zwischenmenschliche Spannungen.
Aus einem Eimer voll Salzwasser führt ein Strick an die Decke, kristallisiertes Salz färbt den Strang stellenweise weiß – chemische Vorgänge werden begreifbar. Ein Pfahl, dessen Spitze mit Margarine eingerieben ist, auf der erst auf den zweiten Blick ein Männchen zu sehen ist – "Beuys-Schüler" hat Burg das Werk genannt, mit dem er die Zahllosen selbsternannten Beuys-Eleven vor Selbstüberschätzung warnen will.
Die Ausstellung von Burg ist die zweite in diesem Jahr im Kunsthaus Gerwert, eine dritte soll folgen. Sieben waren es im vorigen Jahr – zuviel, meint Christian Süßmann. Aber das Gespann Süßmann/Gerwert will auch in Zukunft ein Forum für junge Menschen bieten. Denn neue künstlerische Ideen können der Region nicht schaden. (da)